Geschichte des CPC: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 27. Oktober 2016, 14:35 Uhr

Er war ein Heimcomputer der so viele Wiedersprüche in sich vereinte. Er wurde erst Monate nachdem der britische Heimcomputerboom seinen Zenit Anfang der frühen 80er überschritten hatte veröffentlicht. Es war ein Schnellschuss: Die Maschine, die der Presse im Frühjahr 1984 präsentiert wurde, existierte 9 Monate vorher noch überhaupt nicht. Er war einer der best-produzierten britischen Mikrocomputer seiner Zeit und das von einer Firma die bis zu diesem Zeitpunkt nur für ihre spottbilligen Hifi-Komponenten bekannt war. Er wurde zu exakt dem Zeitpunkt ausgeliefert, den sein Hersteller im Vorfeld angekündigt hatte.

Die Einladung zur Markteinführung, welche am Donnerstag den 12.04.1984 in der Westminster School of London stattfand, bewarb die Teilnehmer damit, dass sie dort „einstein, Archimedes, William Shakespeare, Monet und Ravel“ treffen würden. Fakt ist, es war der Amstrad CPC464 – CPC für „Colour Personal Computer“, der ihnen dort vorgeführt wurde.

Es ist nicht ganz klar wann Amstrad entschied in den Heimcomputermarkt einzusteigen. In den frühen 80ern schien der Amstrad-Boss, Alan Sugar, noch sehr verachtungsvoll der neuen Technologie gegenüber zu stehen. Nicht weil diese nicht gut war sondern weil er der Meinung war dass die gewöhnlichen Leute, Leute die die Kundenbasis von Amstrad bildeten, diese neue Technologie nicht wollten oder brauchten.

Wenn dies wirklich seine Meinung war und nicht ein Beispiel eines schlauen Geschäftsmanns der von seinen wahren Absichten ablenken will, muss er seine Meinung irgendwann im Jahre 1982, vermutlich kurz nach der Veröffentlichung des Sinclair ZX Spectrum, geändert haben (Der Spectrum wurde im April 1982 veröffentlicht es dauerte aber ein paar Monate bis er in den Shops ankam).

Der Spectrum war weder der erste britische Farb-Computer noch der erste für zu Hause aber er demonstrierte, das es dort einen riesigen, unberührten Markt für gutaussehende und günstige Farb-Heimcomputer gab. Sugar war nicht der einzige der durch den Spectrum zum Einstieg in den Markt inspiriert wurde. Es war die Zeit des „Alles was du anbietest, kannst du verkaufen“. Welcher Spieler im Elektronik-Business kann da wiederstehen ? Vor allem, wie Sugar in seiner Autobiographie von 2010 schrieb, da die Umsätze von Amstrad zu stagnieren begannen. „Wir mussten uns umsehen und einen neuen Sektor für weiteres Umsatzwachstum finden“, schrieb er.

Die Arbeit am Amstrad-Heimcomputer startete Anfang 1983. Der Amstrad Ingenieur Ivor Spital, Amstrad-Mitarbeiter seit beginn an, bekam den Auftrag einer Wettbewerbs-Analyse der Maschinen, gegen die der Amstrad-Computer antreten sollte. Er kaufte massenhaft verfügbare Modelle und analysierte, wie sie funktionierten, was für eine Ausstattung notwendig war, mit welchen Extras sie kamen und wieviel es kostete um sie zu bauen.

Das Fazit von Ivors Untersuchungen lautete das Amstrad den Markt betreten könnte und auch sollte und dabei seine Stärken ausspielen könnte: Die Integration von günstiger Hardware in ein Produkt welches zu einem sehr günstigen Preis angeboten werden kann und auch Impulskäufer ansprechen kann. Amstrad war ein früher Anhänger von „all-in-one“ HIFI-Geräten welche incl. Lautsprecher verkauft wurden. Eine Idee, einen umgelabelten asiatischen Apple II-Klon zu nehmen, wurde verworfen.

„Mein Konzept war einfach: Mama und Papa wollen nicht, dass der kleine Johnny den Fernseher übernimmt, somit sollte unser Computer mit seinem eigenen Monitor, einem kompletten Keyboard und einer Eingebauten Datasette ausgeliefert werden um Programme zu laden. Außerdem sollte er den Zielpreis von 199 Pfund treffen.“, schrieb Sugar 2010, „So konnte klein-Johnny es in seinem eigenen Kindezimmer haben und der Familien-Fernseher war immer noch frei“.

Amstrad hatte keinerlei Erfahrung in Computer-Hard- und Software, so wurden sie Dienstleister hiermit beauftragen aber das Gehäuse selber entwerfen. Beaufsichtigt werden sollte das ganze durch einen von Sugars Haupt-Leutnants: Bob Watkins, der bei Amstrad vor Jahren als Konstrukteur angefangen hatte aber nun der Leiter von Technik und Produktion war.

Bald hatte Amstrad nicht nur das Gehäuse der Maschine designet sondern auch schon die benötigten Formen für die Produktion erstellt. Der Tastatur und Kassetten-Mechanismus war ausgewählt. Sie hatten festgelegt, wo die Schnittstellen untergebracht sein sollten, wo es Löscher in der der Platine geben musste um die Platine zu befestigen und die beiden Teile des Gehäuses zusammen zu halten. Alles was das Fertigungsteam jetzt noch machen musste, war auf das Motherboard und die Software zu warten.


Das erste Entwicklungsteam

Um den April 1983 wurden die Entwicklungspartner gefunden: „Ein Paar langhaariger Hippies, die uns schon früher ausgeholfen hatten“, schrieb Sugar in seiner Autobiographie. „Sie behaupteten dass es für sie ein klacks wäre, eine Hauptplatine zu entwickeln, um diese in unser wunderschönes Gehäuse zu integrieren“. Genauer gesagt, sie sagten, sie können es in einer sehr kurzen Zeit machen.

Die Arbeit begann an einem Gerät welches auf dem 6502-Prozessor basieren sollte. Ein Prozessor, der im BBC Micro, dem Commodore C64 und dem Apple II eingesetzt wurde und der in der Konkurrenz-Analyse höher angesehen wurde als der Z80. Aber als Frühling in den Sommer überging wurde klar, dass die Entwicklung von Hard- und Software nicht gut lief. Es gab keinen ROM-Chip, da es noch keinerlei Software gab, die man in diesen hätte stecken können. Außerdem hatten die Designer ein System geschaffen, welches aus dutzenden Chips bestand ohne sich darüber im klaren zu sein, dass man viele von diesen viel kostengünstiger in einen maßgefertigten kundenspezifischen Chip hätte integrieren können.

Fünf Jahre später wurde aufgedeckt, dass einer des zwei-mann Entwicklungsteams in keiner Weise mehr mit dem Druck durch Amstrads Endtermin klar kam und plötzlich das Handtuch warf. Er zahlte das Geld, das er bereits erhalten hatte an Amstrad zurück und wandte sich komplett vom Projekt ab.

Die Autobiographie von Sugar gibt uns hier ein paar detailliertere Informationen: Der fragliche Entwickler war „Paul Kelly“ der Haupt-Raketen-Wissenschaftler des Dynamischen-Duos“. Und Sugar sagte dass er sich einfach unerlaubt von der Truppe entfernte. Kellys Vater fand den jungen Mann ohnmächtig vor Erschöpfung auf dem Boden liegend und brachte Ihn weg, damit er sich erholen konnte.

Die Wahrheit war: Kelly und sein Kollege hatten mehr versprochen als sie halten konnten. Ihr übliches „Oh, das können wir in einem Monat machen“, auch wenn sie eigentlich keinen spezifischen Endtermin meinten, wurde von Alan Sugar und Bob Watkins für bare Münze genommen. Als der Monat um war, fing Watkins, nicht unberechtigter weise, an nachzufragen, wie weit die Software war und wann sie denn fertig sei. Kelly, der die Arbeit schwerer fand, als er sie sich vorgestellt hatte, war nicht in der Lage eine klare Antwort zu geben. Das erhöhte lediglich den Druck, den er unzweifelhaft fühlte. Und was würde passieren, musste er sich gefragt haben, wenn er es überhaupt nicht hinbekam ?

Kelly erholte sich scheinbar von seinem Zusammenbruch denn Sugar sagte, dass er letztendlich Software ein ROM zur Verfügung stellte. Aber, wie der Amstrad-Boss behauptet, die Software war „Müll“, nur eine sinnlose Aneinanderreihung von Bytes, lang genug um den ROM-Chip zu füllen. Es war „nur ein bisschen Unsinn um Bob ruhig zu halten“, und es dauerte bis Toshiba dies in ein ROM brannte, bis dies aufgedeckt wurde. Sugar sagt dies nicht aber es ist leicht vorstellbar, dass er oder Watkins an dieser Stelle nur die Möglichkeit hatten das Projekt den Hippies wegzunehmen und es in fähigere Hände zu geben.


Das zweite Entwicklungsteam

Fortsetzung folgt….